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Kung Fu

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saarbrücken, 30 January 2006

Kung Fu oder Wu Shu?

Kung Fu heisst sinngemäss übersetzt soviel wie "An einer Aufgabe Arbeiten" oder "die Fähigkeit, das Vermögen, etwas zu tun". Der Begriff hat somit nichts mit Kämpfen oder Selbstverteidigung zu tun. Hierfür gibt es das treffendere Wort Wushu.

Schuld, dass sich "Kung Fu" etablierte, haben wohl Bruce Lee und der Film-Boom der siebziger Jahre. Tatsache ist, dass sich die Kampfkünste im asiatischen Raum in Bezug auf ihre weltanschaulichen religösen Grundsätze, in ihren praktisch-technischen Ausfürungen und in ihrer geschichtlichen Entwicklung, stark von anderen Kampfkünsten unterscheiden. Aufgrund ihrer langen Entwicklung und der Menge an verschiedenen Stilen, nimmt das Wushu in China eine Vormachtstellung ein. Ein ganz wichtiger Einfluss auf die Entwicklung des chinesischen Wushu leistet das Kloster Shaolin.

Wo lag das buddhistische Shaolinkloster?

In alten Aufzeichnungen aus der Provinz Henan in China findet sich folgender Eintrag: "Das Shaolin-Kloster Shaolinsi liegt westlich der Kreisstadt des Kreises Dengfeng am nördlichen Fuß des Berges Shaoshishan". In Verbindung mit dem Bergmassiv Songshan wird Shaolin auch mehrmals erwähnt. Primärquellen, die etwas über die Entstehung des Klosters aussagen, sind rar. Meist handelt es sich um Stelen aus der chinesischen Tang-Zeit unter Kaiser Xuanzong (712-756). Die Stelen sind konzipiert von Pei Cui, einem Beamten dieser Zeit. Weiterhin berichten die Stelen über Unterstützung der Mönche bei der Eroberung des Reiches durch die Tang und machen Angaben über die Ländereien des Klosters. Eine Stele sagt: "Das Shaolin-Kloster wurde in der nördlichen Wei-Dynastie (386-534) durch Kaiser Xiaowen gegründet". Weiter heisst es: " Der Mönch Bhadra (öfter als Batua oder Fotuo wiedergegeben) war Inder ... Von den entferntesten westlichen Gebieten reiste er in die Hauptstadt des Landes. Kaiser Xiaowen neigte sich vor ihm in Ehrerbietung und brachte seine Verehrung gegenüber dem Buddhismus zum Ausdruck. Unter der Regierungsdevise Taihe (477-499) erging der Auftrag, dieses Kloster als Unterkunft zur Verfügung zu stellen und alle damit verbundenen Ausgaben aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren."

Klostergründung und Bodhidharma

495 wurde das Kloster in China gegründet. Wann die Mönche anfingen, Kampfkunst zu praktizieren, geht aus den Überlieferungen nicht hervor. Im Allgemeinen wird Bodhidharma als erster Patriarch und Erfinder der Klosterkampfkunst geehrt. Er soll angeblich den Mönchen 18 gymnastische Formen (Die 18-Luohan-Handformen) beigebracht haben. Dies ist eine nicht bewiesene Legende! Es gibt keine einzige Quelle, die Bodhidharma mit Kampfkunst oder Kung Fu in Verbindung bringt. Zum Beispiel findet sich in der von Daoxuan (596-667) verfassten Fortsetzung der Biographien berühmter Mönche die Lebensbeschreibung des Mönches Sengchou, ein Schüler des ersten Abtes Bhadra, der bereits vor Bodhidharma in Shaolin Whushu betrieben haben soll. Anhand einiger Stellen seiner Biographie lässt sich der Schluss ziehen, dass er einer der ersten Kampfkunstexperten in Shaolin war. Zum Kampftraining zählten Laufen, Springen, Boxen u.a. Weiterhin gibt es Erwähnungen von Stockkampf-übenden Mönchen. Der Stock wird im Laufe der Zeit die herausragende Waffe der Kampfmönche (wuseng). Ein Beweis, dass es zu dieser Zeit schon einen eigenen Stil "Shaolin" gab, existiert allerdings nicht.

Zu Bodhidharma (Bod) findet sich in der Biographie Daoxuans leider nur eine Stelle, die ihn in Verbindung mit dem Kloster nennt: "Zunächst wandte er (Bod) sich zum Shaolin-Koster auf dem Songshan. Neun Jahre saß er täglich vor einer Felswand". Bod soll sich von 527 bis 536 in dem Kloster aufgehalten haben. Obwohl wir somit keine Hinweise darauf haben, dass Bod eine Art der Kampfkunst betrieben hat, wird er dennoch von vielen heute als Gründer der Shaolin-Kampfkunst verehrt. Dies führte sogar soweit, dass man ihm irrtümlicherweise die Entwicklung der Fünf Tierstile (wuquan) zuschrieb. Weiterhin ist eine Synthese von Lehren des Chan-Buddhismus und Kampfkunst, wie sie in Japan existiert, für China schwer nachzuweisen.

Das Shaolinkloster im Wandel der Zeit

Nach Bod brachen für den Buddhismuss und auch für das Shaolin-Kloster schwere Zeiten an. 573 erging der kaiserliche Erlass, welcher den Daoismus und den Buddhismus verbot. In ganz China wurden Klöster aufgelöst oder gar zerstört. Dies betraf auch Shaolin, welches in der dann folgenden Periode Daxiang (579-580) der Regierungszeit von Kaiser Jing neu gegründet wurde. Nun hiess das Kloster Zhihu und wurde in der damaligen Hauptstadt Luoyang errichtet. Von 581 wurde das Kloster wieder Shaolin genannt. Seit dieser Zeit entwickelte sich das Kloster am alten Standort und unter altem Namen weiter. Am Ende der Sui Periode (600) wurde das Kloster von Räubern überfallen. Leider wurden dabei das Kloster und der Pagodenhof in Brand gesetzt.

Ab der Tang-Zeit nimmt das Kloster eine noch wichtigere Stellung ein. Die Mönche stellen sich im Kampf auf die Seite des späteren Herrschaftshauses. Im Umfeld dieser Kämpfe entstanden dann solche Legenden, wie die Befreiung des späteren Kaisers Taizong aus der Gefangenschaft des Wang Shichong, dem stärksten Rivalen um den Thron. Leider gibt es auch für diese Legende keinerlei Belege. 13 Mönchen spricht der Kaiser besondern Dank aus. Wegen der Hilfe der Mönche blieb das Kloster Jahre später bei der Auflösung buddhistischer und daoistischer Klöster durch den Kaiser Gaozu (618-626) verschont. Insgesamt stellt es sich so dar, dass bis zur Ming Zeit (1368-1644) kaum historische Fakten zur Klosterentwicklung vorliegen.

Schon zur damaligen Zeit und später auch in Japan wurden namensgleiche Klöster aus Respekt zum Shaolin Kloster in China eröffnet. Die Blütezeit des Klosters ist zweifelsohne die Mingzeit und Quellen weisen auf Kampfkünste wie Shaolingun (Langstock), Shaolinqiang (Speer) hin. Einen besonders guten Ruf erwarb sich das Kloster bei der verteidigung Chinas gegen japanische Piraten in der Jiajing Periode (1522-1566).

Die Kampfkunst in der Mingperiode

In der Geschichte über die Mingperiode heisst es, dass über 40 Mönche dem Land bei den Piratenunruhen zur Seite standen und gut gekämpft hätten. Ausser im Kampf gegen eindringende feinde Chinas, rekrutierte man die Kampfmönche gerne auch im Kampf gegen Aufständige oder gegen Räuber. In einer Quelle der Wanlil-Ära heist es dazu: "Die Boxtechniken der Klosters Shaolin in Henan (über eine angeblich in Fukien errichtete Zweigstelle des Klosters in Henan gibt es keine Quellen) ist weltweit einzigartig. Seine Mönche reisen überall herum und jeder von ihnen kann es mit einer grossen Anzuahl von Gegnern alleine aufnehmen".

Shaolin war aber nicht der einzige Ort, in dem Kampfkunst praktiziert wurde. Es scheint, als seien Kampfmönche ein verbreitetes Phänomen in der Mingzeit gewesen. Neben Shaolin wurde vor allem Funiu und Wutai genannt. Populär wurde in dieser Zeit vor allem der Shaolinstock, die bevorzugte Waffe der Mönche. Im Gegensatz hierzu war die Boxkunst der Mönche bis zur Mitte der Mingperiode kaum bekannt. Die Kampfkunst des Klosters wurde bis zum Ende der Mingperiode weiterentwickelt und bildete sodann ein festes System. Viele Kämpfer wurden von dem Ruf des Klosters angezogen.

Zur Mandschuzeit (1644-1911) wurde das Üben der Kampfkunst hinter den Klostermauers erschwert. Kaiser Yongzheng (1723-1735) verbot das Boxen und die Stockkunst. In den darauffolgenden Jahren verwarloste das Kloster wegen immer weniger werdender staatlicher Unterstützung. Denoch übten die Mönche weiterhin heimlich hinter den Klostermauern. Dies zeigt u.a. der Leitfaden des Boxens (Quanjing) , der einen Überblick über die Boxkunst der Mönche am Ende der Mingzeit vermittelt.

Im Abschnitt über die "12 Geheimnisse des ganzen Körpers" heisst es interessanterweise über die Hüfte: (nur eine stabile Hüfte garantiert die wirkungsvollen Ausführungen von Wing Chun Techniken) "Die Hüfte ist die Zentralachse des Körpers. Die Hüfte muss beweglich und gewand, gerade und fest sein. Ausserdem kommt alle Kraft aus der Hüfte...". In der traditionellen Kampfkunst des Shaolins steht der Aspekt des Überlebens im Vordergrund. Daraus folgt, dass man alle Möglichkeiten nutzen sollte, die einem der menschliche Körper zur Verfügung stellt, um im Kampf siegreich zu sein. Zhang zählt alleine 13 Ellenbogentechniken auf, die es im Shaolin als Techniken gab (Einige Wing Chun Stile, die sich besonders ihrer Shaolin-Tradition rühmen, kennen hiervon nur noch 10).

Triaden und Legendenbildung

Die Weiterentwicklung der Kampfkunst ist durch die weitere Differenzierung durch Schulen und Systeme, sowie der weiteren Mythologiesierung gekennzeichnet. Die Ursache liegt hier hauptsächlich in der Entstehung von Geheimgesellschaften wie z.B die Himmel-und-Erde-Geselschaft (Tiandihui). Im Zuge dessen entstanden so zahlreiche unbelegte Legenden wie die Xilu-Legende. Angeblich soll das Kloster durch Verrat zerstört worden sein und nur 5 Mönchen gelang die Flucht ( einige sollen in das Südshaolinkloster geflohen sein, für welches bislang keine Belege vorliegen). Diese 5 Mönche hätten dann die Himmel- und Erde-Gesellschaft gegründet. Im zuge dieser und anderer Geheimgesellschaften und Mythologiesierungen entwickelte sich eine verfälschte Tradition der Shaolinkampfkunst. Als sich 1928 General Fan Zhongxiu im Kloster verschanzte, wurde dieses leider in Brand gesteckt. Nach der Brandschatzung verliessen die meisten Mönche das Kloster, welches in den Achtzigern wieder aufgebaut wurde.

Einteilung der Kampfstile

Die Kung Fu- Stile, die in China entstanden, könnte man folgendermassen einteilen:

  • nördliche Stile -südliche Stile
  • harte Stile -weiche Stile
  • lange -kurze Stile

Im Laufe der Zeit gab es etliche Mischstile, die dann obige Techniken mischten. Auch die Einteilung in innere Stile und äussere Stile ist heute nicht mehr nützlich, da u.a schon zur Qing-Zeit vermehrt Techniken zur Kultivierung des Chi's in den als gemeinhin als äussere Schule geltenden Shaolin Stil Einzug hielten. Die Unterteilung war somit spätestens in der zweiten Hälfte der Qing-Zeit überwunden (siehe Stile wie Shaolin yi gong, Shaolin wuzang qigong u.a.). Dazu gesellte sich dann das sogenannte harte Qigong (ying Qigong). Der Zusammenhang innere-äussere Stile und weich und hart liegt nicht vor. Die Gruppierung in weich und hart entstand eher aus der chinesischen Philosophie des Ying und Yang, als aus der Betrachtung der Chi-Energie.

Im Qingbaileichao auf Seite 3009 werden für die Qing-Zeit 62 Stile mit Faust- und Waffenformen angeführt. Leider wird an der Stelle kein Wing Chun erwähnt :-(

Stammbaumzusammenfassung wichtiger Personen 

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