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Wing Chun Formen

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saarbrücken, 06 February 2006

Für eine grundlegende Bewegungsdefinition werden die Basistechniken des Wing Chun in festen Bewegungsabläufen festgehalten, die als Formen (Siehe auch hier) bezeichnet werden. Vergleichbar mit einem Schüler, der in der Schule zuerst das Schreiben von einzelnen Buchstaben lernen soll, erarbeitet sich ein Wing Chun Schüler die grundlegenden Bewegungen des Wing Chun in drei Basisformen Siu Lim Tao (die Kleine Idee) einige schreiben auch Siu Nim Tao, Chum Kiu (sinkende Brücke) und Biu Jee (stechende Finger).

Yip Man macht Tansao

Genauso aber wie der Schüler mit dem Schreiben einzelner Buchstaben noch keine Wörter oder Sätze, geschweige denn ganze Texte schreiben kann, muss ein Wing Chun Schüler in die Lage versetzt werden, das Wing Chun praktisch umzusetzen und methodisch / didaktische Zusammenhänge in dieser Kampfkunst zu erkennen.

Um zu verstehen, wie die Formen in die Praxis der realen Selbstverteidigungssituation übertragen werden können (also das Schreiben von ganzen Texten), wie sie sowohl den Körper als auch den Geist zu schulen vermögen und wie man sie letztendlich auch als Lehrer einem Schüler weitergeben kann, braucht es neben einem breitangelegten Potential an Verwendungsmöglichkeiten in verschiedenen und häufig wechselnden Trainingsbereichen vor allem die Unterstützung eines kompetenten Lehrers.

Wer sich unter Formen immer noch nichts vorstellen kann, braucht nur an die Bewegungen verschiedenster Taijmeister zu denken, oder an die Ausführungen im Qigong. In China wird man es öfter sehen, dass sich ganze Menschenmassen zum frühmorgendlichen gemeinsamen Qigong-Training treffen. Die Bewegungen sehen zwar anders aus als im Wing Chun, aber es handelt sich auch hier um Formen.

Siu Lim Tao (oder Siu Nim Tao)

Yip Man bei Wusao

Die erste Form Siu Lim Tao (kleine Geschichte oder kleine Idee) ist die Grundlage, von der aus das ganze System erwächst. Das "Selbst" wird im Chan-Buddismus als "Siu Lim" bezeichnet. Somit ist es auch Zweck der ersten Form, einen Sinn für das eigene Selbst zu entwickeln. Wie bei einer Pyramide und ihrem breiten Fundament, sind in dieser ersten Form alle fundamentalen Prinzipien und Bewegungen dieser Kampfkunst angelegt. Die erste Form enthält insgesamt acht Sätze und ist aufgeteilt in drei Sektionen mit jeweils verschiedenen Schwerpunkten. Der erste Abschnitt trainiert den korrekten Stand und die Grundspannung im Körper. Der zweite Abschnitt dient der Kultivierung und der Lenkung der inneren Energie im Körper. Der dritte Abschnitt schliesslich schult den gezielten Einsatz der Energie in verschiedenen Grundtechniken wie Tansau, Foksau, Bongsau usw. Die Form vermittelt ein Grundverständnis über die Bewegungsmöglichkeiten des Körpers und der damit verbundenen Parameter Kraft und Position. Die erste Form ist ähnlich einem Buch, in dem man nachschlagen würde, wenn man sich über die Ausführung einer Bewegung im Unklaren ist. So lernt man einzelne Bewegungen auswendig und kann sie immer wieder abrufen.

Chum Kiu

Die zweite Form Chum Kiu (sinkende Brücke) lehrt den Schüler seine Techniken in Verbindung mit geeigneten Schritttechniken im Raum einzusetzen. Er lernt die Balance und Stabilität in der Bewegung zu halten. Die Fertigkeit, eine Distanz zu einem Gegner geschützt zu überbrücken und ihm dabei gleichzeitig dynamisch auszuweichen, wird systematisch entwickelt und vertieft. Gleichzeitig lernt ein Schüler, seine Beine in verschiedenen Schritttechniken effizient einzusetzen und die Beinmuskulatur und seine Sehnen zu dehnen. Er lernt verschiedene Armtechniken mit dem entsprechenden Energieeinsatz und der Schritttechnik.

Biu Jee

Die dritte Form Biu Jee (stechende Finger) ist die 3te Waffenlose Form des Wing Chun. Das Mysterium um diese Form rührt angeblich von der Tradition her, dass diese Form vom Meister jeweils nur an die loyalsten und besten Schülern weitergegeben wurde. Böse Zungen behaupten zuweilen, dass diese Form von den Meistern nur dazu entwickelt wurde, Fehler während der Ausführung der Techniken im Freikampf gegen Schüler zu korrigieren und sie sich damit eine Zeit lang wirkungsvoll vom Leibe zu halten. Die Gefährlichkeit der Form liegt in ihrer Kompromisslosigkeit und ihrer Gradlinigkeit. Der Gegner wird in keiner Weise umgangen, sondern im Moment seines Angriffs mit entsprechendem Konterangriff kampfunfähig gemacht. Dabei werden vor allem Ellenbogen und Fingertechniken im koordinierten Zusammenwirken gegen besonders empfindliche Punkte des gegnerischen Körpers zum Einsatz gebracht. Das besondere Augenmerk hat diese Form auf das Angreifen gelegt.

Mok Jan Chong (Holzpuppe, Wing Chun Dummy)

Yip Man an der Holzpuppe dem Wooden Dummy

Die Holzpuppe - ein Trainingsgerät in Form eines simplen Holzstammes mit drei Armen und einem Bein - dient der Perfektionierung der Techniken aus den Basisformen in einer genau festgelegten Abfolge einerseits. Als Nebeneffekt werden die Beine und Arme des Wing Chun Kämpfers Abgehärtet. Das Training an der Holzpuppe ist somit keine Form im eigentlichen Sinne, sondern eine Anwendung an einem äußerst widerstandsfähigen und geduldigen Partner. Die Geometrie des Kampfes, also das Einhalten bestimmter Winkel vom Körper des Trainierenden zur Holzpuppe, Distanzgefühl, sowie die geschützte Positionsveränderung im Raum, wird in dieser Form zur Perfektion gebracht.

Woher die Holzpuppe als Trainingsgerät ursprünglich kommt, kann man leider nicht mehr nachweisen. Angeblich gab es in Shaolin eine Wooden Dummy Alley in der der Schüler sein Können prüfen konnte. Es waren angeblich auch genau 108 Wooden Dummys, warum die Holzpuppenform in vielen Wing Chun Stilen genau 108 Bewegungen kennt. 

Lok Dim Bun Guan (Langstockform)

Ein Langstock

Der Langstock, eine Waffe aus massivem Holz von ca. 2,5 m Länge, wird in einer Form mit 6 ½ Grundbewegungen und deren Variationen im Zusammenspiel mit einer speziellen Schritttechnik zur Anwendung gebracht. Der Körper des Trainierenden wird hier bis an die Grenzen des Erträglichen belastet. Tiefe Stände und immer anspruchsvoller werdende Übungen lehren einen die Sinne zu schärfen, den Hochmut zu zügeln sowie das Erlernte weiter zu vertiefen, um den Weg gestärkt fortzusetzen. Die Taktischen Überlegungen aus der Holzpuppenform werden hier zudem auf einen größeren Raum ausgedehnt und vertieft.

Bart Cham Dao (Kurzschwertform oder Doppelmesser. )

Die Doppelmesser

(Andere gelesene Schreibweisen: Baat Chum Dao, Pa Chum Dao ) Bart bedeutet acht, Cham soviel wie schneiden, spalten und Dao ist das Schwert.

Die Kurzschwerter, oft Doppelmessser genannt, sind der krönende Abschluss des Wing Chun. Sie sind Abschluss und Neuanfang zugleich. Alles Erlernte wird vertieft und unter ernüchternden Umständen kritisch betrachtet, ist doch bei der Schwertkunst die Verletzungsgefahr bei Unachtsamkeit, Starrheit und Hochmut allgegenwärtig. Leben und Tod erscheinen in den Bewegungen und Übungen mit den Doppelmessern so nahe wie noch nie. Ein neues Verständnis ist gefordert, die Bereitschaft, sich selber besser kennenzulernen und das eigene Ich etwas kleiner werden zu lassen. Der Kampf richtet sich von aussen nach innen und man erkennt, dass man sich selbst der stärkste Gegner ist.

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Info Text
Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen. Isaac Asimov
 



 
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